| |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Kleine & mittelständische UnternehmenKleine und mittelständische Unternehmen würden am meisten unter der Legalisierung von Softwarepatenten leiden. Sie bekämen die volle Wucht der negativen Aspekte ab, ohne eine faire Chance, nennenswerte Vorteile zu ziehen.Europas Softwareindustrie ist vor allem durch kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) gekennzeichnet. Das Patentwesen ist aber im Allgemeinen dafür bekannt, KMU zu benachteiligen, auf allen Gebieten. Die Probleme sind bei Software noch schlimmer. Europa schneidet sich daher ins eigene Fleisch, wenn es den Mittelstand schwächt und Software-Riesen von außerhalb der EU stärkt.
"Es gibt spezielle Bedrohungen für die europäische
Informations- und Kommunikationstechnologiebranche, etwa die derzeitige
Softwarepatent-Diskussion."
Manche Großunternehmen wollen die Möglichkeit haben,
kleinere Konkurrenten nach Belieben einzuschränken oder
sogar platt zu machen.
Auf dem Gebiet der Software kann selbst die kleinste Firma
potenziell eine großartige Idee in ein erfolgreiches Produkt
verwandeln, da die Kapitalanforderungen relativ moderat sind.
Softwarepatente würden kleine Firmen dazu zwingen, kostspielige
Patente zu erwerben, und würden damit künstlich die
Kapitalanforderungen für Softwareentwicklung aufblähen.
Das größte Problem ist, dass kleine Firmen solche Patente nicht
wirkungsvoll gegen Großkonzerne einsetzen können, sondern immer
fürchten müssen, dass ein viel größerer Konkurrent ihnen mit Hilfe
des Patentwesens ernsthaften Schaden zufügt.
"Kleine und mittelständische Unternehmen sind
unverzichtbare Anbieter von wegweisenden Innovationen, wären aber
von der Patentierbarkeit am negativsten betroffen. Deren Mehrzahl
wird von den Kosten der Patentierung abgeschreckt, würde aber auch noch
um die Software-Patentbestände großer Konzerne herum navigieren müssen."
Kleine und mittelständische Unternehmen haben keinen
Zugang zu Cross-licensing-Geschäften.
Nur Großkonzerne mit tausenden oder zehntausenden von Patenten sind
in der Lage, mit ihresgleichen in Cross-licensing-Vereinbarungen
einzutreten. Das hauptsächliche Risiko ist, dass die größten
Segmente des Softwaremarktes letztlich einem kleinen Kartell
von Patent-Supermächten gehören würden.
Es ist das Bestreben einiger Großkonzerne, den Besitz eines riesigen
Patentarsenals zu einer Voraussetzung dafür zu machen, dass man
sicher im Markt agieren kann. Kleine und mittelständische Unternehmen
haben keine Chance, jemals Patentbestände einer solchen Größenordnung
aufzubauen. Die "kritische Masse" eines Patentportfolios liegt in den
tausenden. Man braucht so viele, dass keiner mehr diese alle
ansehen möchte.
Mittelständler verlieren eine Menge Unternehmenswert (shareholder value) an die "Patentmafia". Selbst große Unternehmen haben ihre Probleme mit produktlosen Patent-Abkassierern, aber sie können solche Probleme üblicherweise durch eine pauschale Zahlung lösen. Mittelständische Unternehmen werden oft zu Vereinbarungen gezwungen, unter welchen sie einen gewissen Prozentsatz ihres Umsatzes und/oder ihres Gewinns an einen Patent-Profiteur abtreten müssen. Wenn ein Unternehmen mit einer Umsatzrentabilität vor Steuern in Höhe von 20% dazu gezwungen ist, 2% seines Umsatzes an einen Erpresser abzugeben, dann geht damit ein Zehntel seiner Gewinne flöten!
"Reback erzählt oft die Geschichte davon, wie ein Team
von IBM-Patentanwälten in den 1980er Jahren zu Sun Microsystems Inc. ging
und behauptete, dass das damalige Start-up sieben seiner Patente verletzte.
Nachdem Ingenieure von Sun erklärt hatten, warum sie keine Patentverletzung
begingen, sagten die IBM-Anwälte, dass sie unter 10.000 Patenten auch sicher
irgendwo eine Patentverletzung finden könnten."
Ein neuer Trend ist, dass Großkonzerne wie IBM und Microsoft
"Patentsteuern" von kleinen und mittelständischen Unternehmen eintreiben.
IBM ist stolz darauf, jedes Jahr einen Milliardenbetrag aus der
"Lizenzvergabe" auf seine Patente zu verdienen.
Solche Geschäfte laufen wie folgt ab: IBM hat nun weltweit ungefähr
40.000 Patente. Niemand - und vor allem kein kleines oder mittleres
Unternehmen - hat jemals die Chance, diese alle anzusehen und sicherzustellen,
dass es keinen Konflikt zwischen einem der eigenen Produkt und irgendeinem
von IBMs Patenten gibt. Also tritt IBM an Unternehmen heran und bietet
ihnen eine kostspielige Lizenzvereinbarung an, die sich auf den gesamten
IBM-Patentbestand bezieht.
Durch solche Geschäfte quetscht IBM nicht nur Geld aus der kleineren Firma
heraus, sondern bekommt auch Zugriff auf sensible Informationen über das
Geschäft der anderen Firma. Im Frühjahr 2004 erschienen die ersten
Berichte in der Presse, dass Microsoft nun dasselbe tut. Microsoft hat bereits
etwa 100 Unternehmen kontaktiert, auch einige europäische, und hat
erklärt, dass auch Open-Source-Unternehmen dabei seien.
Hier klicken, um zu erfahren, wie Softwarepatente als ein legales Erpressungsmittel genutzt werden |
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
![]() |
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||