Boycott Trend Micro

Manche Texte auf dieser Website sind noch auf einem Stand vor der Zurückweisung der Softwarepatent-Richtlinie durch das Europäische Parlament. Mittlerweile droht neue Gefahr durch das "EPLA". Wir aktualisieren derzeit die Texte dieser Web-Kampagne.

Linux & Open Source

Softwarepatente würden den Erzfeinden von Linux und Open Source ein gewaltiges wettbewerbsfeindliches Machtmittel geben, und würden Europas Infrastruktur in der Abhängigkeit von den Softwareprodukten einiger weniger US-Firmen belassen.
Linux und andere Open-Source-Software sind nicht ausschließlich von Softwarepatenten betroffen, aber besonders bedroht. Open-Source-Software ist äußerst erfolgreich auf Gebieten, auf welchen das Europäische Patentamt bereits zahlreiche Patente gewährt hat (z. B. Betriebssysteme, Server- und Netzwerktechnologien, Datenbanken und Programmiersprachen). In diesem Segmenten sind die derzeitigen Marktführer große Konzerne von außerhalb der EU. Sie besitzen große Zahlen von Patenten und könnten diese gegen Open-Source-Software nutzen, um ihre Monopole und Oligopole zu verteidigen. ("Oligopol" heißt, dass der Markt einigen wenigen gehört.)

Die Münchner Stadtverwaltung wurde weithin missverstanden, als sie zwischenzeitlich ihr Linux-Migrationsprojekt einfror. Ihre Bedenken bezüglich Linux und Softwarepatenten bezogen sich nicht primär auf die bestehenden europäischen Softwarepatente. Diese dienten nur als Hinweis darauf, dass die Patenterteilungspraxis des Europäischen Patentamtes eine Gefahr für Linux ist, bis die Politiker wirkungsvoll Softwarepatente verbieten. Die eigentliche Sorge des obersten EDV-Verantwortlichen von München war mittel- und langfristiger Natur. Er fürchtet, dass bestimmte Unternehmen Patente missbrauchen würden, um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von Open-Source-Entwicklern zu behindern.

"Softwarepatente schaffen Arbeitsplätze - allerdings in Redmond, und nicht in München."
Der Spiegel (Nachrichtenmagazin)
Es ist auffällig, dass Microsoft des öfteren Patente in sehr engem Zusammenhang mit der Konkurrenz durch Open Source erwähnt. Alleine für 2004 hat Microsoft prognostiziert, ungefähr 3.000 Patente weltweit zu beantragen, viele davon in Europa. Im Juli 2004 veröffentlichte NewsForge.com ein Memorandum eines hochrangigen Managers von Hewlett-Packard, einem der größten Computerhersteller der Welt. Die betreffende E-mail sagte voraus, dass Microsoft "das Rechtssystem nutzen wird, um Open Source kaputt zu machen", aber zunächst den Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens der Europäischen Union zu Softwarepatenten abwarten würde. Diese Mutmaßungen basierten auf einer Cross-Licensing-Verhandlung, die der HP-Manager mit Microsoft hatte, und bestimmten Klauseln im betreffenden Vertrag.

Open Source stellt eine historische Chance dar, die die Europäische Union ergreifen sollte, anstatt sie den Interessen der "Patentmafia" und der Großindustrie-Lobbyisten zu opfern. Lange Zeit war Europa für den größten Teil seiner EDV-Infrastruktur abhängig von Softwareprodukten, die von außerhalb der EU stammen. Jetzt wo Linux und andere Open-Source-Software bewiesen hat, dass sie selbst den höchsten Ansprüchen von Unternehmen und Regierungen genügen kann, hat Europa eine Wahl. US-amerikanische Unternehmen spielen eine große Rolle in Open Source, doch ist Europa auf diesem Feld relativ stark, und die Anwender von Open-Source-Software sind ohnehin weniger abhängig von einem einzelnen Anbieter.

Anders als die "Patentmafia" und ihre politischen Freunde behaupten, haben Open-Source-Projekte bereits die ersten Patent-Attacken erlitten. Juristische Drohungen haben bereits Open-Source-Entwickler dazu zu gezwungen, vom Anbieten bestimmter Funktionalität Abstand zu nehmen. Im Wall Street Journal bestätige Microsoft, dass man ca. 100 Softwarefirmen im Rahmen einer Initiative zur "Patentlizenzvermarktung" kontaktiert habe, und darunter befanden sich auch Open-Source-Softwarefirmen.

"Die derzeit noch offene Frage der Ausweitung des Patentrechts auf den Bereich von Software stellt eine grundsätzliche Bedrohung des Open-Source-Entwicklungsmodells dar."
Kieler Institut für Weltwirtschaft
Der Erfolg von Open Source ist der hauptsächliche Grund, warum Patente eine Bedrohung für Open-Source-Software sind. Da Open-Source-Software (unter Maßgabe bestimmter Bedingungen) kostenfrei verfügbar ist, ist sie ein sehr gefährlicher Konkurrent für traditionelle Softwarefirmen. Sie erobert Marktanteile und senkt das Preisniveau ab. Beispielsweise zwang der Erfolg von Open Office die Firma Microsoft, ihr eigenes Office-Produkt in Thailand für ungefähr 30 Euro anzubieten. Zu diesem Preis kann man kaum ein Office-Buch in Europa kaufen. Es wäre naiv zu glauben, dass Microsoft und andere Großunternehmen nicht zu Patentstreitigkeiten greifen würden, wenn Open Source weiter solch dramatische Auswirkungen auf ihr Geschäft hat.

In gewisser Weise ist die Entscheidung der Europäischen Union, ob man Softwarepatente legalisieren wolle oder nicht, auch eine Wahl zwischen Microsoft and Linux. Softwarepatente sind wettbewerbsbehindernd, und deshalb würde ihre Ratifizierung die kartellrechtlichen Verfahren der Europäischen Union gegen Microsoft ad absurdum führen. Microsoft ist eine unglaublich starke Firma mit vielen talentierten Leuten unter ihren Mitarbeitern. Es ist sehr gesund für Microsoft, die Konkurrenz durch Open Source zu spüren. Das ist die beste Art und Weise, um sicherzustellen, dass Microsoft immer hochqualitative Software zu vernünftigen Preisen anbieten wird. Durch seine Wirkung auf den Wettbewerb nützt Linux sogar den Anwendern von Windows. Die EU sollte nicht Microsoft durch eine schlechte Patentgesetzgebung von diesem Wettbewerbsdruck befreien.

Hier klicken, um zu lesen, wie Softwarepatente die Softwarebranche zu Lasten des Mittelstands auf wenige Anbieter reduzieren



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